Die "Schwarze" (als MC 1991, als CD 1996)

Titelliste:

1. SHINE (Dabney) 4:30
2. KANSAS CITY STOMP (Morton) 3:15
3. BALLIN' THE JACK (Smith, Burns) 2:43
4. MISSISSIPPI MUD (Barris) 3:44
5. SAVOY BLUES (Ory) 4:40
6. OSTRICH WALK (LaRocca, Shields) 3:45
7. YOU LOOK GOOD TO ME (Waller) 2:50
8. MINNIE THE MERMAID (DeSylva) 2:34
9. FOUR OR FIVE TIMES (Gave, Hellmann) 4:05
10. GRANDPA'S SPELLS (Morton) 2:46
11. CHANGES (Donaldson) 3:48
12. CANON BALL BLUES (Morton) 2:38
13. LOUISIANA (Johnson, Razaf, Schaefer) 4:10
14. JENNY'S BALL (Reed) 3:42
15. IF I HAD A TALKING PICTURE OF YOU (DeSylva) 3:46
16. ALEXANDERS RAGTIME BAND (Berlin) 3:25

Aufgenommen 1985 (11, 13, 15, 16), 1986 (1, 4, 6, 9), 1988 (2, 3, 5, 7, 8, 10, 12, 14)

Begleittext:

Nach unserer "roten" CD, die Live-Mitschnitte verschiedener Konzerte aus den Jahren 1991 bis 1993 enthält, und der "Grünen", einem Live-Mitschnitt unserer Konzerte zum 19. Bandjubiläum 1994, präsentieren wir Ihnen nun unsere dritte, die "Schwarze". Eigenlich hätte die vorliegende Scheibe die erste CD der Blue Wonder Jazzband sein müssen, enthält sie doch die ältesten Aufnahmen, die mit unserer Band gemacht wurden und die auch auf der ersten Kassette aus dem Jahre 1991 erschienen sind: Mitschnitte von Konzerten des Internationalen Dresdner Dixielandfestivals sowie Studioaufnahmen von Radio DDR, Sender Dresden, aus den Jahren 1985 bis 1988.

Obwohl sich das "Gesicht" unserer Band inzwischen sicherlich gewandelt hat, stehen wir nach wie vor zu diesen frühen Aufnahmen, zeigen sie doch in Ansätzen oder schon voll ausgeprägt die Merkmale, die, mit Verlaub, aus eigener Sicht unsere Band prägen: Abwechslung in der Titelauswahl und -gestaltung, durcharrangierte Teile in vielen Titeln, mehrstimmiger Gesang und eine frische, engagierte Musizierweise.

In den Konzertmitschnitten des Dresdner Festivals - übrigens das älteste in Deutschland ununterbrochen durchgeführte Jazzfestival - spürt man, so glauben wir, unser Lampenfieber auf der riesigen Bühne des Dresdner Kulturpalastes vor 2500 begeisterten Zuhörern. Und man merkt auch, wie wir in der buchstäblich trockenen Atmosphäre des Aufnahmestudios in der Lage sind, uns in Schwung zu bringen - fragen Sie nicht, womit!

Die Aufnahmen auf der vorliegenden CD sind für unsere Verhältnisse recht kurz. In den Kulturpalastkonzerten wollten wir in der wenigen zur Verfügung stehenden Zeit natürlich möglichst viel von dem zeigen, was wir draufhaben; die Studioaufnahmen wollte der Rundfunk möglichst nicht länger als drei Minuten haben, sollten sie doch als "Rasiermusik" in Morgensendungen gespielt werden. Diese Kürze macht aus unserer Sicht die CD zusätzlich abwechslungsreich.

Die hier zu hörenden Aufnahmen wurden zu DDR-Zeiten erstaunlich oft im Rundfunk gesendet, eben häufig in den Frühprogrammen des "Senders Dresden", aber auch in mehreren halbstündigen Sendungen mit unserer und über unsere Band, worüber wir damals ziemlich stolz waren.

Hier noch ein paar Anmerkungen zu unserer Band: Wir gründeten uns in Dresden im Januar 1975. Unseren Namen "Blue Wonder Jazzband" entlehnten wir einem der Wahrzeichen unserer Heimatstadt, der Elbbrücke "Blaues Wunder". Bis heute sind wir in unveränderter personeller Besetzung zusammen geblieben, und für jeden von uns ist das Musizieren in der Band ernstgenommenes Hobby. Bereits früh wandten wir uns dem Traditionellen Jazz der zwanziger und dreißiger Jahre zu, der Musik Jelly Roll Mortons, Bix Beiderbeckes und des jungen Louis Armstrong, und waren dabei eine der wenigen Bands in der DDR, die diese Stilrichtung des Jazz pflegte. Dabei setzte unser Gert auf Arrangements, die den Originalaufnahmen nahe waren, aber immer auch die Eigenheiten jedes Bandmitgliedes und unseren typischen dreistimmigen Gesang zum Tragen brachten.

Und für alle, die nicht aus dem Osten Deutschlands stammen, vielleicht noch folgendes: In der DDR war der Zugriff zu Originalaufnahmen nicht einfach. Außer einer sparsamen, aber gut ausgewählten Jazzreihe der Schallplattenfirma "Amiga" gab es nur eine in Polen und eine in der Tschechoslowakei erhältliche Jazzedition. Die auf der CD enthaltenen Titel von Jelly Roll wurden von einer im Freundeskreis einmalig vorhandenen Schallplatte abgehört.

Zum Schluß möchten wir den Kollegen vom "Sender" - wie wir damals sagten - danken, die die vorliegenden Aufnahmen in sehr guter Qualität auf die Magnetbänder brachten. Sie schufen für uns im Studio eine lockere und dennoch schöpferisch ernsthafte Atmosphäre, was mit uns Amateuren sicher gar nicht so einfach war.

Vielen Dank an unser Publikum! Vielleicht saßen Sie bei einem der Konzerte, die hier aufgezeichnet wurden im großen Saal des Dresdner Kulturpalastes und hören nun diese alten Aufnahmen mit nicht zu unterdrückenden nostalgischen Gefühlen.

Viel Freude wünscht Ihnen dabei Ihre "Blue Wonder Jazzband Dresden"!

Dresden, im April 1996


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