Die "Rote" 1993 (vergriffen) Titelliste:
1. SIDEWALK BLUES (Morton) 3:52 2. FOUR OR FIVE TIMES (Gave/Hellman) 4:04 3. KANSAS CITY STOMP (Morton) 6:14 4. BALLIN' THE JACK (Smith/Burris) 4:13 5. YOU'RE DRIVING ME CRAZY (Donaldson) 5:10 6. BLACK BOTTOM STOMP ( Morton) 5:05 7. THE MOOCHE (Ellington) 6:40 8. LOUISIANA (Johnson/Razaf/Schafer) 8:09 9. GRANDPA'S SPELLS (Morton) 4:31 10. SHINE (Dabney) 7:53 11. MINNIE THE MERMAID (DeSylva) 4:45 12. DOCTOR JAZZ (Melrose/Oliver) 7:15
Die Aufnahmen dieser CD entstanden bei verschiedenen Live-Konzerten in Dresden, Berlin und im Jazzklub Rödermark in der Zeit von 1990 bis 1993.
Begleittext:Die zur letzten Jahrhundertwende erbaute, wegen ihrer technischen Konstruktion und Farbgebung als "Das blaue Wunder" bezeichnete Stahlhängebrücke über die Elbe gehört mit zu den berühmt-markantesten Wahrzeichen Dresdens; es hat zwei Weltkriege und auch manch anderes Tief im wechselvollen Weltenlauf glücklicherweise überstanden.
"Das Blaue Wunder" - kurzerhand auf Jazzerart zum BLUE WONDER umgetauft - stand Pate, als 1975 sieben junge, am Oltime-Jazz begeisterte Studenten der Dresdner TU mit beherztem Tatendrang eine eigene Band gründeten. Seitdem verfolge ich, und das mit stetig gewachsener Freude, ihre musikalische Entwicklung, die zunächst im üblichen Dixieland-Hauptstrom begann, sich jedoch schon bald an weitaus weniger befahrenen Nebenströmungen des klassischen Jazz orientierte; - frühe Orchestermusik eines Paul Whiteman oder Jean Goldkette, Gruppen um Bix Beiderbecke, Frankie Trumbauer, Joe King Oliver, Jelly Roll Morton oder Louis Armstrong, um einige der wichtigsten Leitlinien zu nennen.
Das weckt vielleicht bei manchem die ungute Vorstellung von "trockenem Museumskult", aber gerade um diesen handelt es sich beileibe nicht, denn es ist gleichermaßen grandios wie herzerfrischend, mit welch musikantischer Bravour und mitreißend-kommunikativer Musizierfreude die BLUE WONDER JAZZBAND die klassischen Vorgaben in absolut lebendige Musik verwandelt. Dabei findet einerseits der Geist der Originalarrangements mit erstaunlichem Gespür Neubelebung, wird andererseits jedoch keine akribische Schellackrillen-Philosophie betrieben, sondern vor allem der eigene Spielwitz ins Feld geführt.
Hierzu zählt auch der großartige dreistimmige Gesang in Anlehnung an die einstigen "Rhythm Boys" des Paul-Whiteman-Orchesters, womit dem stilistisch ausgewogenen Band-Profil quasi noch ein durchaus verblüffender "i"-Punkt gesetzt wird.
Da ich weiß, mit welchem Enthusiasmus und Fleiß die BLUE WONDER JAZZBAND seit Anbeginn ihr Musizierniveau, mit dem sie in der heutigen "Traditional"-Jazzlandschaft eine wirkliche Besonderheit darstellt, kontinuierlich zu vertiefen bemüht ist, ziehe ich mit Hochachtung den Hut vor ihr, auch für siebzehn Jahre personeller Beständigkeit, sprich menschlicher Verbundenheit!
Bis zur "Wende" gab es für die BLUE WONDER JAZZBAND, deren Musiker überwiegend akademische Berufe ausüben (vier von ihnen haben an der Dresdner TU promoviert), keinerlei Chance zu einem Gastspiel im "Westen"; heute zählt sie, wie ich meine, mit zu den Exponenten der deutschen Amateur-Jazzszene. Und endlich liegt nun auch die erste (!) eigene Scheibe in Form einer CD-Produktion vor, gewiß zur Freude vieler langjähriger, neuer und auch zukünftiger Freunde der BLUE WONDER JAZZBAND, die - ihrem berühmten Namensvorbild durchaus ähnlich - ganz auf ihre Weise einen "Dresdner Schatz" verkörpert.
Ein herzliches "keep swinging", liebe Freunde!
Euer Karlheinz Drechsel
Berlin 1993