30 Jahre 2005

Titelliste:

1. I'SE A-MUGGIN'
2. WEARY BLUES
3. RIVERSIDE BLUES
4. I'M CRAZY 'BOUT MY BABY
5. JENNY'S BALL
6. OSTRICH WALK
7. BLACK BOTTOM STOMP
8. GOOSE PIMPLES
9. CARAVAN
10. JUNGLE NIGHTS IN HARLEM
11. ECHOES OF HARLEM
12. NEW ORLEANS FUNCTION
13. WHEN THE SAINTS
14. SOME OF THESE DAYS

Begleittext:

Nobody knows, just how we started,
Vor dreißig Jahr'n, das klingt enorm,
Somebody played with horn and banjo,
But three by singin' and a band was born.
Now it's a craze, a town sensation,
Now it's a band with drive and swing,
Now it's a craze that rocks the nation,
Don't try to stop us 'cause we're gonna sing.

Mit diesem abgewandelten Text zu Jack Teagardens Gag-Lied I'se A-Muggin' begannen wir Ende Januar 2005 unsere drei Konzerte zum dreißigjährigen Bandjubiläum. Dreißig Jahre Blue Wonder Jazzband Dresden - 30 Jahre Old Time Jazz mit denselben sieben Musikanten ohne jede personelle Änderung: Mit Dietmar, dem Tuba-pustenden CD-Verkäufer, Band-Kabarettisten und unserem technischen Direktor; mit Manne, der die Trompete fast zum Knallen, manchmal auch zum Flüstern bringt und der uns auch nach 30 Jahren noch mit "neuen" Uraltwitzen überrascht; mit Jockel, dem Band-Moderator und Banjo-schlagenden Bandleader, "(Prof.) Dr. Jazz" Solo- und Baßstimmen-Sänger im Gesangstrio, Cheforganisator, Band-Auto und -Hänger-Fahrer; mit Frank, dem Saxofon-hauchenden und Slide Whistle-pumpenden Star-Vokalisten und Sänger der ersten Stimme im dreistimmigen Gesangssatz; mit Lutz K., dem Probenraum-, Probensekt- und Konto-verwaltenden Trick- und Schrapnell-Trommler, Waschbrett-Streichler und dritten Solo- und Satzsänger; mit Gert, dem klavierähnlich Posaune- und posaunenähnlich Klavier-spielenden Chef-Rillenforscher, Chef-Arrangeur und Chef-Probenantreiber, mit Lutz R., unserem Jüngsten, mehr und mehr Boogie-Woogie-zugewandten, Ragtime-ähnlich Piano-traktierenden und Fan-Adressen verwaltenden Klavierspieler unserer Band.

Extrem virtuos spielt sicher keiner von uns sein Instrument, aber scheinbar verstehen wir es, eine Band originell, als Einheit wirkend, abwechslungsreich und lebendig zum Klingen zu bringen. Hätten wir sonst in 30 Jahren ungefähr 2000 Auftritte vor ca. 750 000 Zuhörern gehabt, denen etwa 1200 Proben vorhergingen? Wäre es uns sonst gelungen, Fans für unsere Band in ganz Deutschland zu gewinnen?

Das Publikum einer "Bunten Veranstaltung" am 29.1.1975 im Großen Saal des Dresdner Kulturpalastes wählte den Namen unserer Band aus zwei Alternativen aus. Dieses Datum betrachten wir als Geburtsstunde der Blue Wonder Jazzband Dresden. Seit Januar 1986 feiern wir unseren Bandgeburtstag mit Konzerten im Studiotheater des Palastes - in intimer, beinahe familiärer Atmosphäre, zusammen mit unserem treuen Stammpublikum und betreut von einem hervorragenden und eingespielten technischen Team.

Die vorliegende CD entstand als Live-Mitschnitt unserer Konzerte im Studiotheater am 28., 29. und 30. Januar 2005. Als Ehrengast und Sprecher luden wir uns den Ex-Dresdner Karlheinz Drechsel ein, den wir für den besten Jazz-Moderator Deutschlands halten und mit dem uns seit vielen Jahren eine herzliche Beziehung verbindet. Wir ernannten Karlheinz im Jahre 2004 zum "1. Ehrenmitglied der Blue Wonder Jazzband" und freuen uns, daß einige seiner Ansagen auf der CD festgehalten sind. Und es entspricht einer schönen Tradition, daß Karlheinz am Ende eines gemeinsamen Konzertes Some Of These Days singt.

Unsere Konzerte zum 30. Geburtstag repräsentieren einen Querschnitt durch 30 Jahre Bandentwicklung und zeigen unsere Vorliebe für Jelly Roll Morton, King Oliver, Louis Armstrong, Fats Waller, Bix Beiderbecke und Duke Ellington. Es erklangen viele von uns seit langem und häufig interpretierte Titel. Zusätzlich nahmen wir Stücke ins Konzertprogramm auf, die entweder noch nicht auf einer unserer 6 bisher erschienenen CD's (www.blue-wonder-jazzband.de) aufgenommen wurden oder ganz neu zu unserem Repertoire gehören (Nr. 2, 3, 4, 8 und 12). Im folgenden einige Informationen zu diesen Titeln:

Im Jahre 1915 entstand der Weary Blues. Er gehört zu den insgesamt nur 10 Titeln, die Louis Armstrong mit seiner "Hot Seven" einspielte. Aus der Schallplattenaufnahme von 1927 ragt neben Satchmos Improvisationen der Klarinettenchorus von Johnny Dodds heraus, den Frank fast original nachempfindet.

Vorbild für unsere Interpretation des Riverside Blues war die Aufnahme des Orchesters von Joe King Oliver, bei dem Armstrong damals zweiter Trompeter war.

I'm Crazy 'bout My Baby steht typisch für die Kompositionsweise und den Humor von Fats Waller, der eng mit dem Texter A. Razaf zusammenarbeitete - für uns ein Titel wie geschaffen für unseren dreistimmigen Gesang.

Goose Pimples wurde von "Bix Beiderbecke And His Gang" 1927 in New York aufgenommen. Diese All-Star-Band existierte nur wenige Wochen. Komposition und Aufnahme charakterisieren die Genialität und die seiner Zeit vorauseilende Originalität des weißen Trompeters Bix Beiderbecke, der 1931 in New York im Alter von nur 28 Jahren starb.

Der u.a. von Louis Armstrong bekannt gemachte Titel New Orleans Function, entstanden 1902 und auch bekannt als "Oh, Didn't He Ramble", spielte bei den Trauerzeremonien in New Orleans eine wichtige Rolle. Der getragene Anfangsteil charakterisiert noch die Trauer während des Begräbnisses. Der folgende Dixieland-Marsch begleitete die Trauergesellschaft auf dem Weg vom Friedhof zur Kneipe, wo dann in fröhlicher Runde das Fell des Verstorbenen versoffen wurde. Legenden berichten, daß mit dem Trommelwirbel die Musiker aus den Kneipen zurück auf den Friedhof gerufen wurden.

Zum 1988 schon einmal von uns aufgenommenen Titel Jenny's Ball sei abschließend noch bemerkt, daß hier der Live-Charakter voll zur Geltung kommt. Jockel kämpft beim Sologesang letztlich erfolgreich gegen einen "Frosch im Hals". Live ist eben live.

Auch wenn ich es im Begleittext zu unserer "Grünen" CD im Jahre 1994 schon einmal formuliert habe und ich mich wiederhole: Daß ich 30 Jahre der Blue Wonder Jazzband angehören konnte, zählt zu den glücklichsten Seiten meines Lebens! Dank Euch - Dietmar, Manne, Jockel, Frank, Gert und Lutz - für die ca. 15 000 gemeinsamen, frohen, humorvollen, aber auch anstrengenden Stunden mit viel positivem Streß und manch meist sachlicher Auseinandersetzung. Ich hoffe auf viele weitere Jahre schöpferische Gemeinsamkeit. Dreißig Jahre Jazzband ohne jede personelle Änderung dürften einen Rekord darstellen und sprechen für den Geist und die Atmosphäre in unserer Band. Großer Dank gilt Euch, unseren Frauen und Kindern, für die Freiheiten, die Ihr uns gegeben habt.

Wir verneigen uns nach 30 Jahren Bandgeschichte vor unserem treuen Publikum und unseren vielen Fans. Wir bedanken uns bei den Musikerkollegen für viele gemeinsame Auftritte, bei den Veranstaltern für den Mut zum Risiko, bei Mitarbeitern von Rundfunk, Fernsehen und bei verschiedenen Studios für die Geduld mit uns, beim Kulturpalast Dresden für die hervorragenden Bedingungen und die freundschaftliche Atmosphäre bei zahllosen Veranstaltungen. Besonderer Dank gilt Hendrik Meyer für die Tonaufnahmen, die zur vorliegenden CD führten. "Heimlich" produzierte Hendrik Videoaufnahmen vom gesamten Konzert, die er uns als Geburtstagsgeschenk überreichte. Bei Hartmut Lissner (Saalbeschallung), Eberhard Kunze (Licht), Jens Eichler (Bühne) und Syvey Lommatsch (Inspizienz) bedanken wir uns stellvertretend für alle, die uns seit 1986 solch hervorragende Bedingungen für unsere Geburtstagskonzerte im Studiotheater des Dresdner Kulturpalastes schufen.

Viel Freude beim Hören dieser CD!

Lutz Käubler für die Blue Wonder Jazzband Dresden im April 2005

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